Das Wort · Herkunft und Regel
Höhenhaus heißt in der Bauforschung ein Hoftyp aus dem Schwarzwald. Warum wir uns auf ihn berufen, ohne eine einzige Form zu übernehmen.

Den Namen haben wir uns geliehen. Höhenhaus heißt in der Bauforschung ein Hoftyp, der seit rund fünfhundert Jahren an den Hängen des Schwarzwalds steht. Wer ihn zum ersten Mal sieht, hält ihn für eine Frage der Gestalt — dieses gewaltige Dach. Er ist aber das Ergebnis einer Rechnung.
Sie beginnt unten im Tal, in den feuchten Wiesen: Sie liefern das Heu. Wie viel Heu ein Winter braucht, sagt, wie viele Kühe im Stall stehen können. Wie viele Kühe dort stehen, sagt, wie groß das Lager über ihnen sein muss. Und weil dieses Lager unter dem Dach liegt, sagt es zuletzt, wie groß das ganze Haus wird. Am Ende dieser Kette steht ein Haus, das keine andere Größe haben kann.
Ein Weg quert den Berg auf halber Höhe. Er läuft oberhalb der Häuser und führt in sie hinein: über eine Rampe, die Hocheinfahrt, direkt unter das Dach. Was dort oben liegt, ist mehr als ein Speicher. Es ist eine zweite Hoffläche — befahren, beladen, im Winter bewirtschaftet. Damit hatten diese Häuser zwei Böden. Einen, auf dem sie stehen, und einen, den sie selbst erzeugt haben. Als Fläche, auf der ein Fuhrwerk wenden konnte.
Der Preis war hoch, und er wurde beim Wohnen bezahlt. Der Wohnteil fiel als Rest an: eingeklemmt zwischen der Stützmauer am Hang, dem Stall und dem Heu darüber. Dunkel, feucht, ohne Aussicht. Alles am Haus war richtig — nur nicht für die, die darin lebten.
Deshalb wurde daran gebaut, Generation um Generation. Man schob Kammern in den Dachraum, hängte Treppen und Gänge von außen an, sägte tragende Säulen ab, wo sie störten. Nichts davon war vorgesehen; jeder Eingriff war eine Zumutung für den Bau. Und irgendwann ließ sich der Druck nicht mehr an einzelnen Stellen abtragen.
Nach Generationen setzte sich eine Bauweise durch, bei der der ganze Hof aus dem Hang heraus zum Tal gewendet ist. Der Wohnteil kommt ins Licht — zum ersten Mal ist das Wohnen selbst ein Grund zu bauen — und nicht nur, was übrig bleibt.
Das Bemerkenswerte an diesem Sprung ist, was er stehen ließ. Das große Dach blieb. Die Einfahrt oben blieb. Der zweite Boden blieb. Der Weg, der quer hindurchführt, blieb. Das Haus änderte seine Richtung, ohne seine Regeln zu verlieren — und genau deshalb ist es ein anderes Haus geworden und trotzdem dasselbe geblieben.
An dieser Stelle hört die Geschichte auf, eine Geschichte zu sein. Denn was dort unter Zwang entstand, ist die Aufgabe, die wir uns stellen: neue Böden, die das moderne Leben wirklich tragen; Wege, die hindurchführen, statt zu enden; ein Tragwerk, das die Gestalt prägt und dem Wohnen Spielraum gibt. Und heute mit einem umgekehrten Vorzeichen.
Wir übernehmen eine Regel, keine Form. Kein Dach, kein Giebel, kein Balkon aus den Schwarzwaldtälern. Das historische Höhenhaus verdankte seine Ebenen dem Leben und Wirtschaften am Berg. Unser modernes Höhenhaus erschafft Ebenen für das moderne Leben — es ist ein gebauter Lebensraum, eingebettet in den gewachsenen.
Wer hier plant
additional spaces ist ein Planungsbüro im Alten Gutshof in Ingelheim. Wir planen, entwerfen, steuern und moderieren; gebaut wird von Betrieben, finanziert wird von Dritten — wir bleiben auf der Seite derer, die hier einmal wohnen.
Für wen
Entwurf v20.95